Montag, 30. Januar 2023

FWD - Newsletter Unerhörte Musik | 2023 | Nr. 03

 


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NEWSLETTER 2023 | Nr. 03
31. Januar und 7. Februar


Die verborgene Harmonie ist mächtiger als die offensichtliche."
(
Heraklit)


Liebe Interessierte,

am kommenden Dienstag, 31. Januar präsentiert das deutsch-schweizerische Gesangsensemble Astraia mit

Rebecca Ockenden, Sopran
Barbara Schingnitz, Mezzosopran
Leslie Leon, Mezzosopran

und den Gästen:

Ziv Braha, Theorbe
Mela Meierhans, musikalische Leitung:

 

Lebenslieder – Liebeslieder

 

„ … ist ein ganz dem Wort verpflichtetes musikalisches Programm. Aufs Unterschiedlichste befassen sich die Textdichter (von frühbarocker Liebeslyrik über Friedrich Hebbel bis zu Paul Celan) mit ihren Beobachtungen und teils sehr persönlichen Reflexionen zur menschlichen Existenz, zu Ich- und Gottesbewußtsein, ganz alltäglicher Weltschau und natürlich zur (fast) omnipräsenten Liebe.

Auf ebenso individuelle Weise setzen sich die Komponistinnen und Komponisten des Abends
 (Iris Szeghy, Balz Trümpy, Jürg Wyttenbach und Mela Meierhans bzw.Barbara Strozzi) mit ihren literarischen Textvorlagen auseinander:

Die musikalische Versprachlichung reicht von der melodiösen Kantilene bis hin zur fraktalen Lautäußerung. Solistisch, im Wechsel und im Ensemble erklingen die drei Frauenstimmen von 
Ensemble Astraia, im zweiten Teil des Abends begleitet von Ziv Braha an der Theorbe. Ein facettenreiches musikalisches Welttheater, das den Bogen vom (durch Mela Meierhans zitierten) Frühbarock bis in die Moderne schlägt.“

 

… und wie immer zusätzlich als Livestream um 20:10 Uhr (klicken Sie hier):

https://youtu.be/HGBmAcZsJAA

 

 


Ursprünglich bereits im April 2020 geplant, musste das Recital des australischen Pianisten Alex Raineri wegen der pandemiebedingten Reisebeschränkungen abgesagt werden.

Wir freuen uns nun, am Dienstag, 7. Februar präsentieren zu können:


Crimson 

 

Der preisgekrönte australische Pianist Alex Raineri gibt ein mitreißendes Solo-Klavierkonzert mit Werken von Komponist:innen, die in Berlin gelebt haben, oder leben und die so das multikulturelle Gesicht der Stadt widerspiegeln.“

Werke von Enno Poppe, Liza Lim, Brett Dean, Chris Dench DE, Rebecca Saunders, Leonardo Silva DE und Rebecca Saunders

 

… und wie immer zusätzlich als Livestream um 20:10 Uhr (klicken Sie hier): 

https://youtu.be/p3_2hKJfEKw

 


Dienstag, 31. Januar 2023 | 20:00 Uhr

Lebenslieder - Liebeslieder

LIVE-STREAM:    https://youtu.be/HGBmAcZsJAA

Ensemble Astraia  

             

Rebecca Ockenden, Sopran
Barbara Schingnitz, Mezzosopran
Leslie Leon, Mezzosopran

 

als Gäste: 

Ziv Braha, Theorbe
Mela Meierhans, musikalische Leitung

Tickets online kaufen / order tickets online

Lebenslieder – Liebeslieder

 

 

 

Iris Szeghy


Psalm (1993)
für Stimme solo
(nach einem Gedicht von Paul Celan)

 

Iris Szeghy sagt über ihr Werk: 
„Die Trauer und der Nihilismus einerseits, die Menschlichkeit und die damit verbundene zarte Hoffnung, die dennoch aus der Poesie Paul Celans spricht, andererseits waren der Auslöser für meine Vertonung von Celans Psalm aus dem Gedichtband Niemandsrose. 

Mein Problem vor der Komposition war: Ist es möglich, ein Gedicht wie Psalm in traditioneller Art zu vertonen? Im Grunde genommen ist es ja ein Anti-Psalm, ein Anti-Gebet, in dem Gott den Namen „Niemand“ und der Mensch den Namen „Nichts“ hat. (Darin äussert sich die jüdische Erfahrung des 2. Weltkrieges; vielleicht nur ein Jude konnte einen solchen Text schreiben.). Die Worte sind so stark, dass sie kaum nach musikalischer „Vertiefung“ rufen. 

Wenn ich mich dem Wesen des Gedichts nähern wollte, konnte ich es nicht auf herkömmliche Art vertonen. Deshalb lasse ich die Sängerin den Text nur sprechen und flüstern wie eine schnelle, unverständliche „Gebetsmühle“, die immer wieder durch eine Art Lamento-Gesang auf Vokale und Silben unterbrochen wird. Nach der Gradation, dem Höhepunkt und der kurzen Retardation dieses Prozesses kommt am Ende des Stückes die erste Vertonung des Textes auf traditionelle Art – die Sängerin singt die Schlüsselverse des Gedichts in der Art eines hebräischen Psalms. Zum ersten Mal wird das Wort verständlich – damit erhellt sich das vorangehende musikalische Geschehen und der Sinn des Werkes.“

 

Iris Szeghy stammt aus einer ungarischen Familie und wuchs in der Slowakei auf. Das Kompositionstudium schloss sie 1989 an der Musikhochschule in Bratislava mit einer Dissertation ab. Nach der Wende führten sie Stipendien- und Kompositionsaufenthalte in verschiedene Länder Europas und in die USA. Seit 2001 lebt und arbeitet Iris Szeghy als freischaffende Komponistin in Zürich. 

Szeghys Werkverzeichnis umfasst Orchester-, Kammermusik-, Solo- sowie Vokalwerke, die mit namhaften Interpreten in Konzerten und Festivals weltweit aufgeführt werden. 

 

 

 

Balz Trümpy


Weit weg (2014)
für Mezzosopran
(auf Texte von Lisa Elsässer) 

 

Der bei Basel lebende Komponist Balz Trümpy fasste die zarte Lyrik der Schweizer Dichterin Lisa Elsässer in eine sangliche, stark an der Sprache orientierte Kantate für Mezzosopran, die 2012 durch Barbara Schingnitz in Basel uraufgeführt wurde. „Am nächsten bin ich mir weit weg“ ist die Kernaussage, um die das lyrische Ich reflektierend und die Kantilenen und deklamatorischen Einschübe der Sängerin musikalisch kreisen

 

Balz Trümpy wurde 1946 in Basel geboren. Verbrachte Kindheit in Glarus. Musikalische Ausbildung am Konservatorium Basel: Klavier (Rolf Mäser, Paul Baumgartner), Musiktheorie (Jacques Wildberger, Robert Suter) und Komposition (Gerald Bennett). Kompositionsstudien bei Luciano Berio in Rom. Gleichzeitig Assistent Berios. Verschiedene Aufenthalte am IRCAM in Paris. Kunstpreis des Lions-Club Basel. 1979 bis bis zur Pensionierung im Jahre 2011 Dozent für Musiktheorie und Komposition am Konservatorium (Hochschule für Musik) Basel; ab 2008 Professor. Von 1982 bis 1987 ausserdem stellvertretender Leiter des Konservatoriums Basel. Seine Werke werden in Europa, Amerika und Asien gespielt, u.a an wichtigen Festivals wie Donaueschinger Musiktage, Lucerne Festival, Musikfeste des schweizerischen Tonkünstlervereins, Weltmusiktage der IGNM. 2012 war er Composer in Residence am Davos Festival. Er arbeitet mit bekannten Künstlern zusammen (Heinrich Schiff, Kurt Widmer, Hansheinz Schneeberger, Basler Madrigalisten, Szymanowski Quartett, Ensemble EUNOIA, El Cimarron Ensemble u.a.), für die er Auftragskompositionen schrieb. Auftragswerke für PRO HELVETIA, Musikkreditkommission Basel, Basel Sinfonietta, Sinfonieorchester Basel u.a. Seine beim Label GENUIN erschienene CD Canti Elagiaci wurde 2015 für den Preis der deutschen Schallplattenkritik nominiert. Ist auch als Autor von musiktheoretischen Schriften hervorgetreten. Lebt mit seiner Frau, der Sängerin und Sprecherin Martine Lovis, und seinem Sohn Samuel in Nuglar bei Basel.

 

 

Jürg Wyttenbach


"Mir ist zumute als hätt ich mich selbst gegessen",
nach Aphorismen Friedrich Hebbels (2018)

Fassung für Stimme Solo (Auswahl) UA

 

Der Schweizer Komponist Jürg Wyttenbach legte seine Komposition der Textvorlage Friedrich Hebbels gemäß, als pointierte Aphorismen-Sammlung an:
kurze, ironisch-prägnante, zuweilen theatralisch überzeichnete Miniaturen werfen ein musikalisches Schlaglicht auf die oft absurd anmutenden Reflexionen und Gedankenspiele des Dichters.
Die Urfassung des Werks – nämlich für Stimme solo – erklingt hier zum ersten Mal.

 

Jürg Wyttenbach wurde 1935 in Bern geboren. Er studierte in Bern, Paris und Hannover und wurde 1962 Dozent am Konservatorium in Bern. Als Pianist Neuer Musik international bekannt, schrieb er Werke zunächst unter dem Einfluss von Boulez, später dann unter dem Kagels und setzte sich ausgiebig mit Formen des Musiktheaters auseinander. Als Dirigent führte er zahlreiche Werke zeitgenössischer Komponisten auf und trat am Pult vieler namhafter internationaler Orchester und Ensembles in Erscheinung. Auch seine zahlreichen Einspielungen zeugen von seiner Leidenschaft für die zeitgenössische Musik. Wyttenbach leitete von 1967 bis 2003 eine Konzertklasse für Klavier und unterrichtete von 1970 bis 2000 Interpretation zeitgenössischer Musik an der Hochschule für Musik in Basel. 2021 starb er in Basel. 

 

 

Mela Meierhans


rajat-i
für drei Stimmen und Theorbe nach ausgewählten Texten aus dem Hohelied Salomos in hebräischer Sprache (2016/17) 

 

einbezogene Werke von Barbara Strozzi:

aus Cantate e ariette, op. 3 (1654): Begli occhi

aus Cantate, ariette e duetti, op. 2 (1651): La riamata da chi amavaGl’occhi superbi

aus Arie a voce sola, op. 8 (1664): 

aus Il primo libro di madrigali, op. 1 (1644): Sonnetto proemio dell’operaLe Tre Grazie a Venere

 

Die glutvoll und lautmalerisch vertonte Liebeslyrik der frühbarocken Komponistin Barbara Strozzi paart sich in Mela Meierhans‘ auf Texten des Hohen Liedes basierendem Werk rajat-i (2016/2017) mit ins Abstrakte weisender „lautlicher Verdichtung“. 

Die Tonsprachen der beiden Komponistinnen setzen sich mit den in Form und poetischem Bilderspektrum sehr unterschiedlichen Text-Komplexen zum Thema Liebe in jeweils eigener musikalischer Charakteristik auseinander: Sprache wird entweder ihrem Inhalt nach musikalisch ausgestaltet oder als Phänomen selbst kompositorisch reflektiert. Theorbe und Stimmen, beide über eine Vielzahl unterschiedlichster Laut- und Geräuschgebungen verfügend, gehen miteinander vielfältige Verbindungen ein, verstärken oder kontrastieren einander. Das Werk schafft so einen bewegten, vom Barock bis zur Gegenwart gespannten musikalischen Bogen, den das Frauentrio und die Theorbe tragen und lebendig werden lassen.

 

Die in der Schweiz geborene Komponistin Mela Meierhans lebte viele Jahren in Berlin und nun auf einem Hof in Brandenburg. Neben ihrer Tätigkeit als Komponistin beschäftigt sie sich seit 2017 mit PERMA-KULTUR, insbesondere in der Pferdehaltung. Dies ist eine so große Herausforderung, dass Komponieren nicht mehr (nur) am Schreibtisch, sondern überall stattfinden kann. 

Die wichtigsten künstlerischen Impulse erfolgten durch das Elternhaus (zeitgenössische Musik und abstrakte Malerei). Wesentliche gestalterische Interessen seit 1989:Vielschichtigkeit und Offenheit, interdisziplinäre Zusammenarbeit,  Entwicklung von interaktiven Partituren in Bereichen Musik, Tanz, Film, Performance, Theater, Installation und Architektur.

Seit 2003 Arbeitsschwerpunkt im Bereich Musiktheater/Musik im (öffentlichen) Raum.
Seit 2006 Arbeit an der „Jenseitstetralogie“, Thema: Toten –und Trauerrituale:
2006 UA des Teil I, „Tante Hänsi“, 2010 Teil II, „Rithaa“, 2014 Teil III, „shiva for anne“. 2019/20 geplant Teil IV “ tsuya“ (fiel Corona zum Opfer)

Seit 2017  Hörparcours auf dem Dorotheenhof

Sie war  Gastkomponistin im Elektronischen Studio der Musik-Akademie Basel;
erhielt verschiedene Werk- und Förderpreise u.a. von: Stadt Luzern, Zug, Basel, und Berlin, war Composer in Residence basel sinfonietta, und Artist in Residence Kairo, Ägypten.

Kompositionsaufträge u.a. von: MaerzMusik Berlin, Theaterfabrik Gera, Staatsoper Hannover, Lucerne Festival, Festival del Centro Histórico de Mexico City, Pro Helvetia, Experimentale Leipzig, Gare du Nord Basel, Berliner Kompositionsaufträge, Sinfonieorchester Basel, The Roosevelt Ensemble Washington, basel sinfonietta, Migros-Kulturprozent, Klangwerkstatt Berlin, Tage für Live Elektronik Basel, u.a.

Audio Design u.a. für Schweizer Radio DRS 2 sowie für Pro Helvetia.

2006 Gründung des ensemble dialogue, ein Zusammenschluss aus Musiker*innen, die neben atueller Musik auch traditionelle Instrumente der Volksmusik spielen sowie auch in der Improvisation zu Hause sind.

Barbara Strozzi, geboren 1619, trat als gefeierte professionelle Sängerin in Venedig in Erscheinung, ihr kompositorisches Werk publizierte sie in acht Bänden. Ihr Werk ist geprägt von ihrer eigenen sängerischen Persönichkeit: Strozzi schrieb vorwiegend Madrigale, Kantaten und Arien für eine Singstimme (meist Sopran) oder mehrere Singstimmen. Ihre Stücke sind frühbarock-sinnlich: effektvoll gestaltet, affektreich, voller Leidenschaft, in der Tradition Claudio Monteverdis oder Francesco Cavallis. Die lyrische Ausdruckskraft der Stimme(n) entfaltet sich scheinbar frei über der Continuo-Begleitung und lässt in der melodischen Ausdeutung des jeweiligen Textes betörende Klangbilder entstehen. Strozzi starb 1677 in Padua.

Rebecca Ockenden (Sopran) studierte nach Abschluss ihres Magisterstudiums in Slawistik und Romanistik an der Universität Oxford Gesang am Centre de Musique Baroque de Versailles. Es folgten zahlreiche Oratorienaufführungen und Soloabende. Unter J.-C. Malgoire debütierte sie am Théâtre des Champs-Elysées in Mozarts Le Nozze di Figaro. Weitere Bühnenerfahrung sammelte sie u.a. in Don Giovanni (Zerlina), Die Zauberflöte (Pamina), Kagels Aus Deutschland, Purcells Fairy Queen an der Opéra de Lyon und in Madrigalen von Gesualdo an der Opéra Garnier, Paris. Als Solistin mit Les Arts Florissants (W. Christie) sang sie Desmarests Grands Motets, Rameaus Zéphyre, Purcells King Arthur und Monteverdis Il Ritorno d’Ulisse in Patria in New York, London, Wien, Paris und am Festival von Aix-en-Provence. Ihre Solo-CD von Lautenliedern Mistress Elizabeth Davenant, her Songes mit Lautenistin Sofie Vanden Eynde ist beim Label Ramée erschienen. Als Interpretin zeitgenössischer Musik trat sie außer in Mela Meierhans’ shiva for anne unter anderem auf der Opernbühne in Werken von Pascal Dusapin und Mauricio Kagel, auf dem Konzertpodium in Werken von Betsy Jolas, François Cattin und Hans-Jürg Meier in Erscheinung.

 

Barbara Schingnitz (Mezzosopran) stammt aus Süddeutschland. Sie absolvierte nach einem Diplom für Elementare Musikpädagogik das Lizentiat in Musikwissenschaft, neuer deutscher Literatur und Medienwissenschaft an der Universität Basel (Promotion 2019) und studierte parallel dazu Gesang an der Musikhochschule Basel, wo sie mit Auszeichnung abschloss. Sie geht solistisch und im Ensemble einer regen Bühnen- und Konzerttätigkeit nach. Ihr solistisches Repertoire umfasst Partien vom Barock bis hin zu Uraufführungen von Werken zeitgenössischer Komponisten und zur Realisation unkonventioneller Musiktheaterprojekte. In diesem Rahmen gastierte sie an renommierten Festivals wie z. B. MaerzMusik Berlin, dem Lucerne Festival, KlangBasel, den Barocktagen Berlin. Sie ist Gründungs- und Ensemblemitglied mehrerer innovativer und experimenteller künstlerischer Formationen und auch als Sprecherin und (singende) Schauspielerin tätig, entwickelt Performancekonzepte für unterschiedliche Ensembles und führt Regie. 

 

Leslie Leon (Alt) studierte an der Universität der Künste Berlin und der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Ihre Bühnentätigkeit umfasst Konzerte, Liederabende und Partien in Oratorien und Opernproduktionen in der Schweiz, Deutschland, Frankreich, in den USA, Mexico, Ägypten, Litauen, u.a. am Lucerne Festival, Theaterspektakel Zürich, Stimmen-Festival Lörrach, La Bâtie Genf, Internationale Festwochen Davos, MaerzMusik Berlin, Wien Modern, Warschauer Herbst, Festival del Centro Histórico de Mexico City, Is-Arti Festival Vilnius. Sie wurde u. a. nach Hannover, Leipzig und Zürich verpflichtet und sang mit Orchestern wie dem Klangforum Wien, dem Gewandhausorchester und dem ensemble für neue musik zürich. Ein weiterer Schwerpunkt in Leslie Leons künstlerischem Schaffen liegt auf der Arbeit als Sprecherin auf der Bühne und für Hörspiel- und Filmproduktionen. Leslie Leons Repertoire umfasst die wichtigen Konzert- und Opernpartien vom Barock bis zur Moderne; wichtige Schwerpunkte ihrer sängerischen Tätigkeit liegen auf alter und zeitgenössischer avantgardistischer Kammer- und Orchestermusik, sie brachte zahlreiche für sie geschriebene Werke in Musiktheater und Konzert zur Uraufführung. Die Sängerin erhielt zahlreiche Stipendien und Preise. Leslie Leon arbeitet regelmässig auch interdisziplinär für Tanzprojekte und Projekte mit bildenden Künstlern. Leslie Leon hat zur Stimme in der zeitgenössischen Vokalmusik an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg promoviert. Als Vocal-Coach und Dozentin ist sie u. a. für das Goethe Institut, die Berliner Festspiele, die Hochschule für Musik Freiburg und die Macromedia University tätig.

 

Ziv Braha (Theorbe) wurde 1977 in Be'er Ya'cov, Israel, geboren. Mit 14 Jahren begann Ziv Braha elektrische Gitarre zu lernen, mit 17 Jahren wechselte er zur Laute. Studium an der Musikakademie in Jerusalem bei Isidoro Roitman, das er im Juni 2000 mit dem Bachelor Diplom abschloss. Aufbaustudium an der Schola Cantorum in Basel ab 2001 bei Hopkinson Smith. Solo-Rezitale auf der Rennaissancelaute in Jerusalem, Basel und in Deutschland. Theorben-Studium, Einladung zu den Festwochen für Alte Musik Innsbruck und Stadttheater Berlin, um unter der Leitung von René Jacobs in Monteverdis L‘Orfeomitzuwirken. Engagements mit dem Sinfonieorchester Luzern unter der Leitung von Howard Arman und mit den Basler Madrigalisten an verschiedenen europäischen Festivals. In Belgien und Holland nahm er mit dem Vlaamsen Opera Orchestra The Liturgy of Orpheus des griechischen Komponisten Yannis Markopoulos auf, spielte mit der Capella Vocale unter der Leitung von Mark Goossens und Solo-Rezitale am Dag Oude Muziek in Alden-Biesen, am Klara Festival in Brüssel und im FringeProgramm des Festival Oude Muziek Utrecht. Seit 2010 unterrichtet Ziv Braha Laute an der Musikschule der Schola Cantorum in Basel. 


Dienstag, 7. Februar 2023 | 20:00 Uhr

Crimson

LIVE-STREAM:   https://youtu.be/p3_2hKJfEKw

Alex Raineri, Klavier

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Crimson 

 

Enno Poppe 

Thema mit 840 Variationen (1993/97)
für Klavier solo 


Die Komposition Thema mit 840 Variationen von Enno Poppe dauert nur ca. 7 Minuten. Das Thema ist einen Takt lang und besteht aus zwei Intervallen: zwei Sekunden-Dyaden. Dann folgt eine außergewöhnliche kompositorische Leistung: dieses einfache Thema wird auf jede erdenkliche Weise verdreht, gewendet und wiedergeboren. Am auffälligsten ist die organische Entwicklung, die sich gleich einer erratischen, vom Jazz inspirierten Improvisation durch dieses Werk zieht.

 

 

Chris Dench 

flex for AR (2017)
für Klavier solo DE

 

Entstanden aus dem großen Kammermusikstück flux (2016 für Kupka's Piano geschrieben), wurde flex for AR von Chris Dench aus dem übrig gebliebenen musikalischen Material von flux abgeleitet, das dann in diesem neuen Werk organisiert wurde und zum Zyklus der Klavierwerke Heretical Bagatelles beiträgt. Als eine Übung in Farbe und Virtuosität ist flex for AR eine kurze, aber kaleidoskopische Ergänzung des zeitgenössischen Klavierrepertoires von einem der angesehensten australischen Komponisten.

 

 

Brett Dean

Hommage à Brahms (2013)
für Klavier solo

Engelsflügel 1
Hafenkneipenmusik
Engelsflügel 2


Brett Deans dreisätzige Hommage à Brahms wurde so konzipiert, dass sie mit Brahms' 4 Klavierstücken op. 119 verwoben ist und den Zuhörer auf eine fesselnde Reise führt, bei der die alte Welt auf die Neue trifft. Sie können aber auch als eigenständiges Werk aufgeführt werden. Der Komponist beschreibt Engelsflügel als "Wings of Angels" und Hafenkneipenmusik als "Tavern Music". “Wings of Angels” spielt auf das Bewusstsein von Brahms' Todesnähe an, als er sein op. 119 komponierte, im Vergleich zu “Tavern Music”, bei der es um Brahms' frühere Jahre geht, in denen er anscheinend als Bar Pianist arbeitete und Tanzmusik in zwielichtigen Lokalen spielte.

 

 

Liza Lim

The Four Seasons - Autumn, Winter (2008/09)
für Klavier solo

 

"Im Januar 2007 verbrachte ich einige Zeit im Museum of Modern Art in New York und ließ mich von den dort ausgestellten Werken von Cy Twombly inspirieren, insbesondere von dem riesigen, aus vier Tafeln bestehenden Werk 'Quattro Stagioni'. Die Kombination aus ekstatischer, gesättigter Farbe, linearer, kalligrafischer Dynamik und Farbklecksen, die poetische, auf die Leinwand gekritzelte Kommentare verschleiern, brachte mich auf viele Ideen für einen Klavierzyklus in vier Teilen. Diese ‚Stagioni‘ sind Jahreszeiten eines inneren Lebens - sie bestehen aus 'Gefühlsklimata' - Wettermustern, die manchmal extravagant barock im Ausdruck sind oder von einem elegischen Gefühl des Vergehens der Zeit durchdrungen sind. Diese öffnen sich zu einem zeremoniellen Tanz: einem 'Sema' oder dem meditativen Wirbeltanz der Sufis der Vereinigung". (L.L.)



 

Rebecca Saunders

Mirror, mirror on the wall (1994)
für Klavier solo

 

Mirror, mirror on the wall ist ein Frühwerk der britischen Komponistin Rebecca Saunders. Das Werk untersucht Begriffe der Klangreflexion. Im ersten Teil wird die Perspektive behutsam von gespielten Noten auf spektrale Resonanzen verlagert. Es wird schnell deutlich, dass das Werk in verschiedene Abschnitte gegliedert ist, wobei sich das spätere musikalische Material stark auf die Realität und Abwesenheit von Puls, Rhythmus und Resonanzen konzentriert. Der perkussive Einsatz des Pedals färbt einen "Walzer"-Abschnitt, aber das zeitliche Profil des Walzers ist in der gebrochenen Textur untergetaucht. Dieses Geflecht aus Abwesenheit und Anwesenheit verschiedener musikalischer Mittel unterstreicht auf fesselnde Weise den musikalischen Diskurs und verleiht der Musik auf merkwürdige Weise einen Hauch von geisterhafter Abstraktion - vielleicht ein "angedeutetes Märchen.

 

 

Leonardo Silva

5 Preludes (2021)
für Klavier solo DE

 

Prelude, Prélude, Preludio oder Praeludium als Instrumentalstück - meist für Tasteninstrumente – war ursprünglich als einleitende Vorbereitung auf ein größeres Werk gedacht und meist improvisiert. Im 19. Jahrhundert gewinnt die musikalische Form des Prélude eine Autonomie, das eine einzige Stimmung oder Idee (Charakterstück) ausdrückt. Was bleibt dann einige Jahrhunderte später von diesem Wesen übrig? 5 Preludes (2021) bereitet kein weiteres größeres Werk vor: seine Eröffnungscharakter dient seinen eigenen Zwecken. Prelude, Prélude, Preludio, Praeludium als Soloklavierstück, das den Hörer auf eine Reise einlädt und sich dabei in der Zeit entfaltet. Wohin die Reise geht? Jede neue Geste und Harmonie - also jedes Präludium - bietet und eröffnet eine Welt der Möglichkeiten und vermeidet eindeutige Antworten. Präludium, Prélude, Preludio, Praeludium als Einladung. (L.S.)

 

 

Rebecca Saunders

Crimson (2004/05)
für Klavier solo

 

Die in Berlin lebende britische Komponistin Rebecca Saunders ist eine der führenden Vertreterin der zeitgenössischen Musik. Ihr Werk ist äußerst nuanciert und webt eine Erzählung von musikalischer Komplexität, die in einem Universum intensiver Körperlichkeit existiert. Diese Körperlichkeit spielt oft eine wesentliche Rolle für den beschreibenden Verlauf der Musik. Crimson verkörpert diese Ästhetik perfekt. 

In dem Werk begibt sich der Pianist auf eine athletische Reise, bei der er die gesamte Klaviatur mit virtuos gesprungenen Cluster-Akkorden durchquert, die sich im weiteren Verlauf des Stücks in eine elektrische Toccata verwandeln, bei der der Interpret seine Umgebung bis an die Ränder des Instruments selbst und in das Innere des Klaviers ausdehnt. Das Werk verflüchtigt sich in seinem letzten Abschnitt, einer kühlen Abfolge langsamer Akkorde im Feldman-schen Stil. Dies erweckt den Eindruck, dass die Stille ein großes schreckliches Tier verschlungen hat, das zuvor auf das Klavier losgelassen wurde.

Die Schriften von Samuel Beckett und James Joyce sind wichtige außermusikalische Einflüsse für Rebecca Saunders. Dem Stück Crimson ist ein Zitat Molly Blooms aus Joyces "Ulysses" vorangestellt:

that awful deepdown torrent...the sea crimson sometimes like fire and the glorious sunsets

In der Musik von Saunders geht es oft darum, tiefrote Farben hervorzurufen: crimson, cinnabar, vermilion usw. Dies deutet auf eine synästhetische Dimension ihres Werks hin, vielleicht auch auf eine leicht sinnliche Unterströmung.


Der australische Pianist Alex Raineri (geb. 1993), der vom Limelight Magazine als "Solist mit herausragenden virtuosen Fähigkeiten und Musikalität" beschrieben wurde, ist als Konzertpianist, Konzertsolist, Kammermusiker, künstlerischer Leiter, Musikproduzent, Kunstkritiker, Radiomoderator und Pädagoge aktiv. 

Zu seinen internationalen Auftritten gehören Tourneen durch die USA, Kanada, Südostasien, Großbritannien, Irland, Neuseeland, Deutschland und Österreich. Er ist künstlerischer Leiter und Musikproduzent des jährlich stattfindenden Brisbane Music Festival und ein leidenschaftlicher Vertreter der zeitgenössischen Musik, der bis heute über 170 Werke uraufgeführt hat.

Alex wurde von BBC Radio 3, Radio NZ, California Capital Public Radio, ABC Classic FM und allen australischen MBS Networks gesendet. Als Konzertsolist trat er mit den Symphonieorchestern von Queensland, Tasmanien, Darwin und Westaustralien auf.

Alex hat eine Reihe bedeutender Auszeichnungen erhalten, darunter erste Preise beim Kerikeri International Piano Competition und beim Australian National Piano Award. Bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik erhielt er den prestigeträchtigen Kranichsteiner Musikpreis und wurde 2021 mit dem APRA/AMCOS Queensland Luminary Award ausgezeichnet.

Zu den bemerkenswerten künstlerischen Kollaborationen gehören Andreas Ottensamer, Twoset Violin, eighth blackbird, ELISION, Natalie Clein, Greta Bradman, Li Wei Qin, Jack Liebeck, Kathryn Stott, Slava Grigoryan, Brett Dean, Natsuko Yoshimoto, Orava Quartet und viele andere. Er hat Aufnahmen für ABC Classic, MOVE Records und mehrere unabhängige Alben veröffentlicht.


 

Mit herzlichen Grüßen, 

Ihre Martin Daske und Rainer Rubbert


 

Gerne weisen wir immer wieder darauf hin, dass fast alle Konzerte aus den letzten Jahren auf unserem Youtube-Kanal zum Nachhören bereitstehen. Abonnieren Sie sich gerne!

https://www.youtube.com/c/UnerhörteMusik

 


Die Unerhörte Musik wird gefördert 
aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kultur und Europa

Alle Veranstaltungen finden im BKA-Theater, Mehringdamm 34, 10961 Berlin, statt.
Telefon: 030 - 20 22 007

Eintritt: 13,- / 9,- €
Zehnerkarte: 80,- / 60,- € (übertragbar)



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